Glossar
Fachbegriffe & Definitionen
Regulatorische und finanzwirtschaftliche Fachbegriffe — erklärt und mit den jeweiligen Rechtsgrundlagen versehen.
Anlageberatung
Persönliche Empfehlung eines Finanzinstruments an einen bestimmten Anleger, die auf dessen individuelle Umstände zugeschnitten ist.
Rechtsgrundlage: § 2 Abs. 8 Nr. 10 WpHG
BaFin
Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht — deutsche Finanzaufsichtsbehörde, die Banken, Versicherungen und den Wertpapierhandel beaufsichtigt.
Rechtsgrundlage: FinDAG
DSGVO
Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union — einheitlicher Rechtsrahmen für den Schutz personenbezogener Daten in der EU.
Rechtsgrundlage: Verordnung (EU) 2016/679
DVN-Norm
Von der BfV entwickeltes Normensystem zur standardisierten Prüfung und Zertifizierung von Produkten, Dienstleistungen und Unternehmen.
Rechtsgrundlage: BfV-intern
FinVermV
Finanzanlagenvermittlungsverordnung — regelt die Pflichten von Finanzanlagenvermittlern, insbesondere Informations- und Dokumentationspflichten.
Rechtsgrundlage: FinVermV
HinSchG
Hinweisgeberschutzgesetz — Umsetzung der EU-Whistleblower-Richtlinie zum Schutz von Personen, die Verstöße gegen Unionsrecht melden.
Rechtsgrundlage: HinSchG (2023)
IFG
Informationsfreiheitsgesetz — gewährt jedem Menschen einen Anspruch auf Zugang zu amtlichen Informationen von Bundesbehörden.
Rechtsgrundlage: § 1 IFG
MiFID II
Markets in Financial Instruments Directive II — EU-Richtlinie zur Regulierung der Finanzmärkte und zum Anlegerschutz.
Rechtsgrundlage: Richtlinie 2014/65/EU
ODR-Verordnung
Online-Streitbeilegungsverordnung der EU — Plattform zur außergerichtlichen Beilegung von Streitigkeiten aus Online-Kaufverträgen.
Rechtsgrundlage: Verordnung (EU) Nr. 524/2013
Peer-Review
Begutachtungsverfahren, bei dem eine wissenschaftliche Arbeit oder Analyse durch unabhängige Fachkolleginnen und -kollegen geprüft wird.
Rechtsgrundlage: IDW-Prüfungsstandards
UWG
Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb — schützt Verbraucher, Mitbewerber und die Allgemeinheit vor unlauteren geschäftlichen Handlungen.
Rechtsgrundlage: UWG
VSBG
Verbraucherstreitbeilegungsgesetz — regelt die außergerichtliche Beilegung von Streitigkeiten zwischen Verbrauchern und Unternehmern.
Rechtsgrundlage: § 36 VSBG
WCAG
Web Content Accessibility Guidelines — internationale Standards für die barrierefreie Gestaltung von Webinhalten, herausgegeben vom W3C.
Rechtsgrundlage: WCAG 2.1 Level AA / BITV 2.0
WpHG
Wertpapierhandelsgesetz — regelt den Handel mit Finanzinstrumenten und die Pflichten von Wertpapierdienstleistungsunternehmen in Deutschland.
Rechtsgrundlage: WpHG
Abofalle
Geschäftspraxis, bei der Verbraucher unwissentlich in kostenpflichtige Abonnements gelockt werden, häufig durch irreführende Webseiten oder versteckte Klauseln im Kleingedruckten.
Rechtsgrundlage: § 312a BGB, § 5 UWG
AGB
Allgemeine Geschäftsbedingungen — vorformulierte Vertragsbedingungen, die ein Vertragspartner der anderen Seite bei Abschluss eines Vertrags stellt. Unwirksame Klauseln können nach §§ 305–310 BGB angefochten werden.
Rechtsgrundlage: §§ 305–310 BGB
Beweislastumkehr
Im Kaufrecht gilt bei Verbrauchsgüterkäufen: Zeigt sich innerhalb der ersten 12 Monate ein Mangel, wird vermutet, dass dieser bereits bei Übergabe vorlag. Der Händler muss das Gegenteil beweisen.
Rechtsgrundlage: § 477 BGB
Buttonlösung
Gesetzliche Regelung, wonach Online-Händler bei kostenpflichtigen Bestellungen einen klar beschrifteten Button verwenden müssen (z. B. 'zahlungspflichtig bestellen'). Ohne diesen Button kommt kein Vertrag zustande.
Rechtsgrundlage: § 312j Abs. 3 BGB
CEO-Fraud
Betrugsmasche, bei der sich Kriminelle als Geschäftsführer oder Vorgesetzte ausgeben und Mitarbeiter per E-Mail oder Telefon zu dringenden Überweisungen auffordern.
Rechtsgrundlage: § 263 StGB
Dark Patterns
Manipulative Gestaltungsmuster in Benutzeroberflächen, die Nutzer zu ungewollten Handlungen verleiten — etwa zum Abschluss von Abonnements oder zur Preisgabe persönlicher Daten.
Rechtsgrundlage: Art. 25 DSA, § 5 UWG
DSA
Digital Services Act — EU-Verordnung zur Regulierung digitaler Dienste und Plattformen, die unter anderem Transparenzpflichten bei algorithmischen Empfehlungssystemen vorschreibt.
Rechtsgrundlage: Verordnung (EU) 2022/2065
E-Nummer
Kennzeichnungssystem für Lebensmittelzusatzstoffe in der EU. Jeder zugelassene Zusatzstoff erhält eine E-Nummer (z. B. E 300 für Ascorbinsäure).
Rechtsgrundlage: Verordnung (EG) Nr. 1333/2008
Energieausweis
Dokument, das den Energiebedarf oder -verbrauch eines Gebäudes dokumentiert. Bei Verkauf, Vermietung oder Verpachtung muss er potenziellen Käufern oder Mietern vorgelegt werden.
Rechtsgrundlage: § 80 GEG
Fakeshop
Betrügerischer Online-Shop, der Waren zu attraktiven Preisen anbietet, nach Vorkasse jedoch nicht liefert. Erkennungsmerkmale: fehlendes Impressum, nur Vorkasse, unrealistische Preise.
Rechtsgrundlage: § 263 StGB, § 5 TMG
Fernabsatzvertrag
Vertrag über Waren oder Dienstleistungen, der ausschließlich über Fernkommunikationsmittel (Internet, Telefon, Brief) geschlossen wird. Es gelten besondere Informationspflichten und ein 14-tägiges Widerrufsrecht.
Rechtsgrundlage: §§ 312c, 355 BGB
Gewährleistung
Gesetzliche Mängelhaftung des Verkäufers. Bei Verbrauchsgüterkäufen beträgt die Frist 2 Jahre ab Übergabe. Anders als die Garantie ist sie gesetzlich vorgeschrieben.
Rechtsgrundlage: §§ 434 ff. BGB
Greenwashing
Irreführende Darstellung von Produkten, Dienstleistungen oder Unternehmen als besonders umweltfreundlich oder nachhaltig, ohne dass dies durch Fakten belegt ist.
Rechtsgrundlage: § 5 UWG, Green Claims Directive (EU)
IBAN
International Bank Account Number — standardisierte internationale Kontonummer zur eindeutigen Identifikation von Bankkonten im SEPA-Raum.
Rechtsgrundlage: Verordnung (EU) Nr. 260/2012
Inkasso
Einziehung fremder Geldforderungen. Inkassounternehmen müssen beim zuständigen Amtsgericht registriert sein. Unseriöse Inkassoforderungen sollten schriftlich zurückgewiesen werden.
Rechtsgrundlage: § 10 RDG
Mietpreisbremse
Gesetzliche Regelung, die die zulässige Miethöhe bei Neuvermietungen in angespannten Wohnungsmärkten auf maximal 10 % über der ortsüblichen Vergleichsmiete begrenzt.
Rechtsgrundlage: §§ 556d ff. BGB
Nutri-Score
Farbliche Nährwertkennzeichnung auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen (A–E, grün bis rot). Die Nutzung ist in Deutschland freiwillig.
Rechtsgrundlage: Verordnung (EU) Nr. 1169/2011
Phishing
Betrugsmethode, bei der über gefälschte E-Mails, SMS oder Webseiten persönliche Daten wie Passwörter oder Bankdaten abgegriffen werden.
Rechtsgrundlage: §§ 202a, 263a StGB
PSD2
Payment Services Directive 2 — EU-Richtlinie zur Regulierung von Zahlungsdiensten, die unter anderem die starke Kundenauthentifizierung (SCA) bei Online-Zahlungen vorschreibt.
Rechtsgrundlage: Richtlinie (EU) 2015/2366
Quishing
Phishing über QR-Codes — Betrüger platzieren manipulierte QR-Codes im öffentlichen Raum oder in E-Mails, die auf gefälschte Webseiten weiterleiten.
Rechtsgrundlage: §§ 202a, 263a StGB
Recht auf Reparatur
EU-Initiative, die Hersteller verpflichtet, Ersatzteile und Reparaturanleitungen für einen bestimmten Zeitraum bereitzustellen, um die Lebensdauer von Produkten zu verlängern.
Rechtsgrundlage: Richtlinie (EU) 2024/1799
Schlichtungsstelle
Unabhängige Einrichtung zur außergerichtlichen Beilegung von Streitigkeiten zwischen Verbrauchern und Unternehmen, z. B. die Universalschlichtungsstelle des Bundes.
Rechtsgrundlage: §§ 14–25 VSBG
Schufa
Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung — größte Wirtschaftsauskunftei in Deutschland. Verbraucher haben ein Recht auf kostenlose Datenkopie einmal jährlich.
Rechtsgrundlage: Art. 15 DSGVO
Smishing
Phishing per SMS — Betrüger versenden gefälschte Kurznachrichten mit Links zu Schadsoftware oder Phishing-Seiten, oft getarnt als Paketbenachrichtigungen.
Rechtsgrundlage: §§ 202a, 263a StGB
Streitschlichtung
Außergerichtliches Verfahren zur Lösung von Konflikten. Online-Händler müssen auf die EU-Online-Streitbeilegungsplattform hinweisen.
Rechtsgrundlage: § 36 VSBG, Verordnung (EU) Nr. 524/2013
TMG
Telemediengesetz — regelt die rechtlichen Rahmenbedingungen für Telemedien in Deutschland, darunter die Impressumspflicht für Webseitenbetreiber.
Rechtsgrundlage: § 5 TMG
Verbrauchsgüterkauf
Kaufvertrag zwischen einem Unternehmer als Verkäufer und einem Verbraucher als Käufer. Es gelten besondere Schutzvorschriften wie die Beweislastumkehr und die zweijährige Gewährleistung.
Rechtsgrundlage: § 474 BGB
Widerrufsrecht
Gesetzliches Recht des Verbrauchers, einen Fernabsatzvertrag innerhalb von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen zu widerrufen. Die Frist beginnt bei Warenlieferung mit Erhalt der Ware.
Rechtsgrundlage: §§ 355 ff. BGB